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| Bordsteinpflaster - N.F.Kisakürek Necip Fazil Kisakürek Bordsteinpflaster 1
Auf der Straße, verwaist inmitten einer Straße, bin ich; Ich gehe, ohne hinter mich zu schauen, gehe ich. An dem Punkt, an dem sich mein Weg in der Dunkelheit verliert, Glaube ich einen Traum zu erblicken, der meiner harrt. Die schwarzen Himmel, in die aschfarbenen Wolken gehüllt; Blitze belauern der Häuser Schornsteine. Menschen und Geister liegen im Schlaf, nur zwei Weggefährten sind wach; Der eine bin ich, und der andere die streunenden Bordsteinpflaster. Tropfen für Tropfen staut an sich eine Angst in mir; Glaub, das jede Straße versperrt von Riesen ist... Die Häuser starren, immer rabenschwarz, mit ihren Fenstern, Gleich dem geblendeten Aug eines Blinden, mich an. Bordsteinpflaster, Mutter aller einsam Leid geprüften Bordsteinpflaster, ein Mensch, der gelebt hat in mir, Bordsteinpflaster , verstummen die Stimmen, hört man die ihren. Bordsteinpflaster, eine Sprache, die sich windet in mir. Auszuhauchen das Leben in einem weichen Schoß, steht mir nicht zu. Ich bin das Kind, welches dies Pflaster gestillt! O möge der Morgen nie grauen in dieser dunklen Straße, In dieser dunklen Straße nie enden meine Reise. Will folgen dem Weg, der Weg sich selbst, will folgen dem Weg, der Weg sich selbst, Die Laternen, gleich strömenden Bächen, mögen an mir vorüber ziehen. Klak, klak, die hungrigen Hunde soll´n meine Schritte vernehmen; Der Trophäenschmuck meines Weges, die steinernen Gürtel aus Schatten. Weder will ich den Morgen sehn, noch soll der Morgen mich je erblicken, Die Tageszeit soll euch gehören; gebt her die Finsternisse! Ganz eng will ich mich in sie hüllen, wie in eine nasse Decke. Deckt, bedeckt mich mit den kühlen Gefilden der Dunkelheit. Legte der Länge nach mein Körper sich auf diese Steine nieder, Nähmen je von meiner Stirn die Steine, kalt wie Eis, das Fieber. Eintauchend in einen Schlaf, geheimnisvoll so wie die Straßen, Würd‘ sterben dann der hoffnungslos verliebt Geliebte der Bordsteinpflaster ... (1927) Bordsteinpflaster 2 Gleich einem Helden, der sich einem Ziel verkauft, Mit Fleisch und Knochen bist du der Straßen Eigentum! Auf seinem Kissen thronend wie in einer Sänfte, Musst überwinden unendlich viele Fernen Du! Seit dem Tag, da du den hurenden Betten entflohen, Liegen im Tiegel eines Kummers, eure vergehenden Seelen. Deinen Schatten haben seine Pupillen getrunken, Sein Stein ist in deiner Schädeldecke geschmolzen. Noch habt Ihr beide weder Gatten noch Freund; Still wie ein Klausner, frei wie der Schrei seid ihr. Nur einen knöchernen Schädel habt ihr auf dieser Erde zu tragen; Und diesen könnt bringen ihr in jede andere Welt. Reiter mit dem kastanienbraunen Ross, treib an dein Ross, treib an! Letztendlich münden im Grab die Windungen dieses Weges. Niemanden gibt es, der dich versteht so wie die Bordsteinstraßen, Noch jemanden, der die Bordsteinstraßen so versteht, wie Du... (1927) Bordsteinpflaster 3 Solch eine dunkle Frau ist auf dem Bordsteinpflaster die Nacht, das sie ekstatisch, mit hoch erhobnem Haupt, deinen Traum zerrt hinterher. Berührt für einen Augenblick mein Blick ihr dunkles Auge, Spricht sie: Jüngling, der du da meiner harrst, komm folge mir. Wenn mich der Wind hüllt ein wie eine Berührung dort von ihr, Halten, halten will ich sie dann, sie an die Brust mir drückend. Bis hin zum Morgenrot; da läuft sie hin, ich schaff es nicht, sie zu erreichen, Ach, sie eine so feine Seele, ich eine Form aus Fleisch. Hör hinter mir ein Lachen ich, verletzt es mich. Ich denk, sie hat sich einem andren hingegeben, Seh‘ ich entkleiden sich an Fenstern einen Schemen. Solls es so sein, dass sie, durch meine Tränen heut fühlt keine‘ Pein, Doch wenn die Erde unter mir für mich bereiten wird ein angenehmes Lager, Weiß ich, sie wird nicht mehr von dannen gehen, wie eine Geliebte mir zur Seite sein... (1927)
__________________ Sieh, wie die Sonne aus der Dunkelheit aufsteigt !
Eine Träne und ein Lächeln von Khalil Gibran |