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| Leidensprüfung - N.F.Kisakürek Leidensprüfung Necip Fazil Kisakürek Aus dem verborgenen sprach eine Stimme; Dieser Mann, soll die Leere tragen in seinem Genick! Und auf einmal flog das Dach über mir davon, Der Himmel stürzte ein, Schicht um Schicht... Ich lief zum Fenster: rotes Inferno Was du vor raus sahest, alte Schwester geschah! Endlosigkeit in ihrer Hand ein blaues Tuch, Einen Pfeil schoss ab von oben herab auf mich der Jäger. Geschmeckt habe ich des Giftes Feuer in diesem Pfeil In einem Augblick wandelte er mein Lebensjuwel in Asche. Als hätte ich Nase an Nase das Nichts berührt, Erbrach ich mir die Schädeldecke, durch den eigenen Mund. Gleich einem Glas mit Wasser geriet die Welt ins strudeln, Verloschen die Richtung, eingestürzt die Leere. Da hast Du die Wahrheit, da den Traum! Hier die Vernunft, da den Rausch. Am Amboss meines Nackens ein eiserner Schmiedehammer, Als letzte Rettung vergrub ich mich ins Bett. An einem blutigen Morgengrauen, Schenkte der gesprenkelte Hahn mir eine neue Welt. Was ist das für eine Welt, unverständlich ihre Geschichte; Ihr Raum eine Fläche, Ihre Zeit ein Wahn. Der gesamte Kosmos aus Plastik ein Dekor, Die gesamte Menschheit der Lüge ergeben Was bist Du, und seiest du auch die Wahrheit, hinweg! Verblendung komm zur Hilfe mir, o eile doch, Glas am künstlichen Auge. Möge alle Form seinen Platz einnehmen in mir, Meine Heimat, meine Geliebte, mein Freund und mein Lehrer. * Monate lang bin ich gewandert, zerrüttet und verwirrt, Mein Ich ein Kessel, mein Verstand die Kelle dazu. Aus dem Dorf der Verrückten, ein sich entfernendes, brünstiges Tier Jeder Gedanke einpaar Fesseln in mir. Warum werden die Dinge kleiner in der Ferne? Wie sehe ich im Traum ohne Augen? Was, die Umdrehung der Zeit im Kreislauf? Ich habe ein Ende – sollt ich dies Ursprünglich erlernen? Solch ein Gedanke, wie Säure in der frischen Wunde, Solch ein Gedanke, gleich Egel auf der Haut des Hirns. Gegrüßt seiest Du oh majestätische Pein; Du schwelender Holzstumpf, der reift je mehr er sich entflammt. Gefleht hab ich; Zeigt meines Rätsel Lösung mir! O siebenstöckiger Himmel öffne dein Geheimnis! Gebet meiner Mutter fall herab, und werde zum Schleier! Gib mir einen Stecken alter Baum! Der Schlaf, selbst eines Mörders Labungsquell; Die Decke, Zuflucht bis hin zum Gottlosen. Quelle des Trostes, Insel der Geduld, Für euch Zuckerwasser, für mich ein Topf voll Sand. Ist dies der Wahnsinn den ich aus den Träumen trank, Auf der Suche nach der Rose Geheimnis, zuckende Wolllust Auf grünen Ranken, im Augenblick der Offenbarung Ameisenschloss, knochentrockener Schädel... Punkt für Punkt stach der Skorpion in meine Seele, So schlitterte von einer Jahreszeit in eine andere ich. Weder im Feuer noch in der Zange sah ich Die große Qual der Folter des Gedankens. * Ja, alles in mir ist ein verborgener Knoten Was hab ich schon für Todesängste ausgestanden, was alles durchlebt! Unter grenzenlosem Himmeln hab ich zur Genüge schon gezittert, Bis hin zu den Entfernungen die ich ertragen musste. Der Horizont ein Fuchs – flüchtig und gerissen; Die Wege ein Knäuel – lang und verworren. Ein blaues Licht hält vor mich hin Der Zauberer der jeden Abend meine Träume schreibt. Zauberer, Zauberer was trägst du mir den nach? Der schwefelig Rauch in meiner Höhle, was hat er zu bedeuten? In meinem Hirn dein Schwert, gleich einem Giftigen Splitter schärfer als Glas, dünner als ein Haar. Kompendium, benenne meinen Zustand mir, Einen Namen in der Sprache die allen bekannt. Alte Gewänder haltet mir die Hände Spiegel sagt mir, wer ich bin? Sagt es mir, sagt bin denn ich der Stier der die Welt auf seinen Hörnern trägt Das Grundstück welches sich der Fluch als Architekt erkoren Wanderer aus dem Leben, verwaist aller Dinge. Ich, ein Schmetterling mit Flügeln aus Staub, mein winziger Körper beladen mit Kaf dem mystischen Berge Ein kleines Atom, trächtig mit dem Throne Gottes Dies ist der Quell all meiner Riesen Schmerzen! Weder in der Lüge noch in der Wahrheit Verbirgt die Zierde sich, die ich beim schließen meiner Augen seh Vergebens meine Wanderschaft, in der Natur sind nicht solch Höhen und tiefen wie in mir. * Gleich der Nacht welche in einen Graben fiel Stürzte ich plötzlich in den Schoß der Wahrheit. Als ob ich des widerspenstigen Rätsels Lösung erreicht, Das der vergangenen Zeit und auch der Zukünftigen. Sesam öffne Dich, die Tür öffnet sich; Atlas auf seinem Sitz ein Urahn vom jenseitigen. Es leuchtete auf der Palast aus Bergkristall, göttliches Gebäude Tausende von Lüstern in endloser Materie In den Atomen jauchzendes Vergnügen, Festlichkeit und Frohsinn Und ringsherum nur Licht, ringsherum nur Licht. Schöpfung über Schöpfung, wahrhaftiges Ich Erkannt hab ich Dich o Gott, du unerforschte Größe. Der Weltenordnung bäumt sich auf, die Flut im Gezeiten der Meere Der Weltenordnung bäumt sich auf, das Wasser steht mir bis zum Kinn. Im Wasser ein verborgener Weg, eine schimmernde Spur; Im Wasser die Idee des Urewigen – Gefühl des immer währenden. Harmonie bemächtige dich meiner, Einheit las mich in dich ein, Schattendasein kann mir kein Unterschlupf mehr sein. Gib dem Nichtigen das Dichtertum, Sein soll es sein Mich zieht es nun zu höheren Künsten. Die Jenseitigen Gefilde sind nun der Inhalt meines Ziels Die Ferne mein Saatgut, die Zeit mein Mineral Die Milchstraße am Himmel, mir muss sie gehören, Die Perlen im See des Bodenlosen sind mein. Knie nieder unbeugsame Selbst, knie vor mir nieder! Mein Lastenkorb birst voller Leben, als Bündel und als Knäuel. O Du alle Äste vereinende Wurzel; Meine einzige Bestimmung – das unendliche zu erreichen... (1939)
__________________ Sieh, wie die Sonne aus der Dunkelheit aufsteigt !
Eine Träne und ein Lächeln von Khalil Gibran |