| Hamd icin Ilim
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| Kleiner Beitrag: Wissen Das hatte ich schon einmal hier gepostet....
Kleiner Beitrag: Wissen
„ Sprich: Mein Herr, mehre mich im Wissen, ...“ (20/114)
„Die da im Stehen, im Liegen, im Sitzen sich Gottes erinnern und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken- Herr (sagen sie), Du hast dies nicht vergebens erschaffen“ (3/191).
Mit diesen oder anderen Versen bekunden Muslime, daß der Islam das Wissen und die Suche nach Wissen als etwas wertvolles ansieht. In der Tat(-sache) ist der Islam eine Religion, die sehr viel Wert auf Wissen legt. Allein im theologischen Bereich hat der Islam viele unterschiedliche Wissenschaftszweige entwickelt. So zeigt z.B. die Hadithwissenschaft (Hadith: Worte und Taten des Propheten) wie genau und wie differenziert man mit den Überlieferungen der islamischen Frühzeit umgegangen ist, um ihre Authentizität oder ihren Wahrheitsgehalt herauszuarbeiten.
Wir reden hier nicht über rationalistische Wissenschaft (im Europäischen Sinne) , da der Islam in seinen Grundzügen viel Metaphysisches hat (Engel, Dschinn usw.). Diese zu beweisen wäre rationalistisch schwer. Doch all diese metaphysischen Phänomene haben die Denker und Wissenschaftler der islamischen Geschichte nicht aufgehalten Wissenschaft zu betreiben. Sie haben die Welt als ein Geschenk Gottes angesehen und versucht sie sich für das Wohl der Menschen zu Nutze zu machen. Allah erschafft die Natur für den Menschen und der Mensch bedankt sich in dem er es erforscht und preist. Dazu im Qur’an: „Er ist es, der für euch alles geschaffen hat, was auf Erden ist“ (2/2) oder „Seht ihr nicht , daß Gott euch alles unterworfen hat, was in den Himmeln ist, und auch, was auf Erden ist? Er gießt über euch Seine Wohltaten aus, sichtbare wie unsichtbare“ (31/20).
Das Wort Ilm(Wissen) und das Wort Hakk(Wahrheit) sind im Koran sehr eng verbunden. Deshalb sah der muslimische Gelehrte oder Wissenschaftler (alim) ursprünglich die Wahrheit (Hakikat) als Ganzes und unteilbar. Die „Säkularisierung“ der Wissenschaft fand nicht statt. Je mehr der Muslim forschte desto mehr fühlte er sich bestätigt Mensch zu sein und war immer mehr fasziniert von der Allmacht Gottes. Der Allmacht Gottes bewußt setzte der Muslim sein Wissen für den guten Zweck ein.
In den Bereichen der Geisteswissenschaften (Politik, Soziologie, Philosophie, Geschichte, Recht usw.) und der Naturwissenschaften (Biologie, Medizin, Physik, Chemie, Astronomie, Geographie usw.) haben sie sogar führende Persönlichkeiten der europäischen Gesellschaft geprägt. Die multikulturelle und multireligiöse islamische Gesellschaft wie z.B. im Osmanischen Reich das Rechte von Minderheiten schützte , lieferte geistige Impulse zur Entwicklung moderner Gesellschaftsideen. Bagdad, Kairo, Granada, Kordoba, Buchara und Samarkand sind dabei maßgebend gewesen. Bücher und Abhandlungen des antiken Griechenland wurden von den arabischen Übersetzungen ins Latein übersetzt und sind somit Europa bekannt geworden. Bücher der islamischen Wissenschaftler über Philosophie, Medizin, Geographie, Recht usw. wurden übersetzt und standen der denkenden Schicht zur Verfügung.
Es gibt viele Theorien über die weitgehende Stagnation der Wissenschaftsbestrebungen in der islamischen Geschichte. Beispiele: a) Die Mongolenstürme und die Eroberung Andalusiens durch die Reconquista. b) Die Verbrennung der Bücher und Zerstörung der Bibliotheken durch die Kreuzzüge, c) Innere und Äußere Krisen und Kriege in der Politik ,d) die westliche Kolonialpolitik in den islamischen Ländern usw. Diese und andere Theorien haben ihren Wahrheitsgehalt, doch sind sie als Erklärungen nicht ausreichend.
Deshalb möchten wir auf eine Theorie näher eingehen. Diese besagt, wie auch oben erwähnt, daß das Wissen in der Qur’anischen Bedeutung unteilbar ist. Bis zum 12./13. Jahrhundert genossen Wissenschaftler, egal aus welchen Wissenschaftszweigen sie kamen, sei es Qur’an Exegese oder Medizin, großes Ansehen. Ein Muslim der sich mit Fiqh(Recht) beschäftigte galt als Alim genauso wie ein Muslim der sich mit Astronomie beschäftigte. Das war bis zum 12./13. Jahrhundert der Fall, bis das Wissen durch die rationalistische Theologie (Kalam) in zwei Teile geteilt wurden, nämlich in „religiöses Wissen“ und „weltliches Wissen“. Dies wurde zwar dem Willen getan, die Religion vor äußeren Einflüsse zu schützen, wie z.B. der griechischen und indischen Philosophie. Doch was Sie nicht vorhersehen konnten war, daß eben jene Wissenschaftler, die sich mit Philosophie beschäftigten, auch mit den Naturwissenschaften beschäftigt waren. Und diese Entwicklung führte dazu, dass jene „weltlichen Wissenschaftler“ sehr wenig oder keine Unterstützung mehr fanden und somit ihre Untersuchungen nicht mehr fortführen konnten. Beispiel: Die Madrassa, in der anfangs auch Medizin unterrichtet wurde, unterrichtete später nur noch „religiöse Wissenschaft“ . Oder z.B. Ibn Rüsd. Er genoß großes Ansehen, war Kadi und der Arzt des Khalifen in Andalusien des 12. Jahrhunderts. Bis Anhänger des Kalams großen Einfluß im politischen Geschehen bekamen, und Ibn Rüsd wegen seiner philosophischen Abhandlungen zum Tode verurteilen wollten. Diese Trennung des Wortes ILM , entgegen der Qur’anischen Bedeutung, war auch das erste säkularisierende Element in der islamischen Geschichte. Interessant ist zu sehen, das die Wissenschaft in der islamischen Geschichte ohne Säkularisierung sehr fortschrittlich war, während in der europäischen Geschichte die Wissenschaft erst durch die Säkularisierung, Fortschritte erzielen konnte.
Tatsache ist, dass in den jeweiligen Blütezeiten der islamischen Geschichte, das Wissen und die Bestrebung danach sehr hoch eingeschätzt wurde. Und in der Zeit der Krisen fast keine Bedeutung mehr bekam. Nur noch im theologischen Bereich. Deren Bestrebung auch nur aus der Wiederholung der klassischen Abhandlungen war. Doch dies brachte keinen Fortschritt weder geistlich noch materiell. Diesen Zustand haben heute die islamischen Gesellschaften. Erst seit Anfang des 20.Jahrhunderts gab es positive Impulse, die sich aber durch den politischen und wirtschaftlichen Zustand der jeweiligen Länder langsam entwickeln.
Durch die westlichen Medien sehen wir heute nur noch verarmte oder radikale Muslime, die keine Chance hatten sich zu bilden. Unwissende Menschen sind leichter manipulierbar und aggressiver. „Kein Terrorakt kann sich auf eine Religion berufen“, diese und ähnliche Sätze hörte man nach dem 11. September oft genug. Dass die westlichen Medien dies zitierten und bejahten hatte keinen nachhaltigen Einfluß. „Islamistische Terroristen“, „fundamentalistische Muslime“, all diese Bezeichnungen hört man und ließt man weiterhin täglich. Diese Probleme sollte man aber eher im gesellschaftspolitischen Zusammenhang sehen. Jegliche Art von Übertriebenheit und Aggressivität sieht der Islam als Sünde an, die sehr viel Schaden für sich und für die Gesellschaft mit sich bringt.
Der Mensch wird immer wieder im Qur’an darauf hingewiesen, zu denken und seinen Verstand zu benutzen. Damit das Denken eine Form annimmt, braucht der Mensch Wissen. Und all diese Bestrebungen werden um die Gunst Allah’s zu gewinnen gemacht. Die Gunst Allah’s bekommt der Muslim, wenn er sein Wissen bereichert, weiterleitet, fördert und dieses Wissen zum Wohle der Menschheit nutzt
Zudem ist Unwissenheit/Ungebildetheit das größte Problem der islamischen Gesellschaften. „Können Wissende und Unwissende gleich sein?“ heißt es im Qur’an. Gewiß nicht. Die Unwissenden können die Gesellschaft nicht zum Licht führen.
Das muslimische und nicht-muslimische Wissenschaftler in den verschiedensten Wissenszweige zusammenarbeiten und forschen können, zeigte auch die Geschichte . „Die religiöse Duldsamkeit war so groß und der Schutz der Wissenschaften so vollkommen, daß Christen, Juden, Parsen, Buddhisten und andere zusammengearbeitet haben, um die muslimische Wissenschaft zu bereichern, nicht allein auf dem Gebiet ihres jeweiligen religiösen Schrifttums, sondern auch in allen anderen Wissenszweigen“ , so berichtet Prof. Hamidullah von der islamischen Geschichte. Mit bereichertem Wissen und Ehrlichkeit sollten Angehörige der Religionen, Ideologien usw. einen Plattform errichten das den Menschen nutzen bringt. Um einen sinnvollen und Nutzen bringenden Dialog zw. den Religionen zu schaffen, braucht man denkende und wissende Menschen. Sie sind zu sich selbst und ihre Idealen (Religion, Ideologie etc.) treu und sind sich dessen Wichtigkeit bewußt. Mit Ehrlichkeit, Einfühlsamkeit, Verständnis und eben Erkenntnis kann der Dialog Berge versetzen.
Ein Mensch der ein gewisses Potential an Wissen und die Einstellung dieses Wissen zum Wohle der Menschheit zu nutzen, hat, ist ein Mensch der aufklären kann.
Quellen:
a) Der Koran , Max Henning überar. Murad W. Hofmann
b) Essay von Sakir Kocabas, „ Islam ve Bilim“ Divan Ilmi Arastirmalar 1996/1
c) Türkiye Diyanet Vakfi Islam Ansiklopedisi
d) Der Islam , Muhammad Hamidullah
__________________ "Insanlar hayra davet edildigi zaman, seytanlar da seytani duygular da kendilerini tehdit altinda hissediyorlar" I.Özel |