SWR-Intendant fordert islamische Sendungen
SWR-Intendant Peter Voß: „Islamisch geprägte religiöse Sendungen in deutscher Sprache sind dringend erforderlich"

Der Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Peter Voß, sagte in einem Interview der SWR1-Sendung „Leute“, dass islamisch geprägte religiöse Sendungen in deutscher Sprache „dringend erforderlich“ seien. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass die islamische Minderheit in den Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „angemessen vertreten wird“. Voß strebe darüber eine konstruktive Diskussion im SWR und seinen Gremien an. Anlass für das Interview war die unter dem Motto „Islam - so nah, so fremd“ veranstaltete Islam-Woche des SWR. Der SWR-Intendant sagte: „ Die Aufgabe muss aber jetzt in Angriff genommen werden, wir dürfen sie nicht schleifen lassen. Der Islam gehört ins Programm und in die Gremien.“
Außerdem sagte Voß: „Integration ist das große Thema, wie auch die neue Unterschicht-Debatte zeigt. Und Integration heißt, Menschen, die an unserer freiheitsorientierten Kultur nicht oder ungenügend teilhaben, durch Fördern und Fordern zur Teilhabe zu bewegen.“
Wenn das Thema Integration in die Mitte des Programms gehöre, dann „brauchen wir allerdings in unseren Aufsichtsgremien auch die entsprechende Repräsentanz der immerhin schon dreieinhalb Millionen Muslime, die nun einmal unsere Mitbürger sind oder werden sollen. Wir müssen sie mit unserem Freiheitsverständnis und der diesem Verständnis zugrundeliegenden kulturellen Tradition auch fordernd konfrontieren, aber dafür müssen wir sie erst einmal als Bürger akzeptieren“, so der SWR-Intendant.
Auch könne nicht darauf gewartet werden, bis es eine übergreifend repräsentative muslimische Dachorganisation mit dem Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft gibt. Man solle das Gespräch mit den muslimischen Gruppierungen jetzt aufnehmen.
Bei der Entwicklung und Einführung muslimischer Glaubenssendungen in deutscher Sprache könne man z. B. im Hörfunk mit einem Pilotprojekt erste Erfahrungen sammeln. Danach könnten etablierte Religionsgemeinschaften bei der Entwicklung von staatsvertraglich abgesicherten Lösungen ihre Erfahrungen einbringen. „Nach den Erkenntnissen und erfolgversprechenden Ansätzen, die die Berliner Islamkonferenz im September gezeitigt hat, müssen wir jetzt auch im Rundfunk über den eigenen Schatten springen, und die dialogbereiten Muslime müssen es auch“, sagte Voß. (hv)
