US-Astronomen entdecken riesige Leere
"Das größte Nichts im Universum" Wohl selten hat sich jemand über so viel Nichts so gefreut wie Lawrence Rudnick. Der US-Astronom entdeckte Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt einen riesigen Bereich gähnender Leere. Das mache bisherige Theorien zur Entstehung des Universums wertlos, meint er. Von Frank Aischmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

[Bildunterschrift: Nachbargalaxie der Milchstraße]
Eigentlich hat Astronomieprofessor Lawrence Rudnick nichts gefunden. Das allerdings ziemlich umfangreich: "Das größte Nichts im Universum", nennt er seine Entdeckung stolz.
Sein Team von der Universität Minnesota entdeckte sechs bis zehn Milliarden Lichtjahre von uns entfernt mit einem Radioteloskop einen riesigen Bereich - und der ist schlicht und einfach eines: leer. Die Region war den Astronomen bereits vorher aufgefallen, weil die kosmische Hintergrundstrahlung hier besonders schwach ist - der Bereich also "kälter" ist, wie Astronomen sagen.
Eine Milliarde Jahre im Nichts
Das Loch liege südwestlich vom Sternbild Orion, erklärt Rudnick. Und um eine Vorstellung der gigantischen Ausdehnung zu geben, macht er folgende Rechnung auf: Wer mit Lichtgeschwindigkeit reise, erreichte in acht Minuten die Sonne und in einigen Jahren den nächsten Stern, sagt er. "Wenn sie aber in das Loch fliegen, würde es eine Milliarde Jahre dauern, bis sie es auf der anderen Seite wieder verlassen könnten."
Das ist eigentlich unvorstellbar. Und mit bisherigen Modellen nicht zu erklären. Trotzdem gehen die Astronomen aus Minnesota davon aus, das Nichts richtig beobachtet und gemessen zu haben.
Nur eine Erklärung: "pure Leere"
Sein Team habe es physikalisch durchgerechnet, sagt Rudnick. Was ist nötig, damit die kosmische Hintergrundstrahlung so abnimmt, wie beobachtet? Ihre Antwort sei eindeutig: "pure Leere". Vielleicht sei da mal ein Stern hier oder eine Galaxie da, aber im Vergleich zur Umgebung sei der Bereich tatsächlich leer. Ob sie absolut sicher seien? "Nein", sagt Rudnick. Vielen Wissenschaftlern werde die Idee so viel absoluter Leere nicht gefallen und sie werden Gegenvorschläge vorlegen, meint er. "Aber das ist ja genau das Tolle an unserer Forschung."
Lawrence Rudnick selbst spricht von einer so großen Überraschung, dass die möglichen wissenschaftlichen Konsequenzen noch nicht abzusehen seien: "Es ist einfach zu früh, das zu sagen." Aber die bisherigen Theorien zur Entwicklung des Universums - mit Clustern, Superclustern, Galaxien - passten nicht zu ihren Beobachtungen. Die Konsequenzen seien weitreichend: "Wir werden unsere Vorstellung über die Bildung von Strukturen im Universum wohl verändern müssen."