| Hagen. Neue Fakten gibt es nicht. Doch der tragische Tod des Türken Adem Özdamar gewinnt nun bundesweit an Brisanz: Überregionale Medien greifen den Fall auf, wittern einen Skandal. Die Polizei spricht von einseitiger Berichterstattung.
Zur Erinnerung: Mitte Februar randalierte der 26-Jährige im Drogenrausch auf einer Hagener Polizeiwache. Nachdem ihn mehrere Beamte unter Einsatz von Gewalt fixiert hatten, brach er plötzlich mit Herzstillstand zusammen. Eine Notärztin reanimierte den Mann, er fiel jedoch ins Koma. Auf der Intensivstation des Allgemeinen Krankenhauses verstarb er in der Vorwoche. Als Todesursache gaben die Ärzte ein Ödem im Kopf an. Nicht die Gewaltanwendung der Beamten, sondern der massive Drogenkonsum und das Ödem als Folge der Wiederbelebung seien jedoch für den Tod verantwortlich, betonte die Hagener Staatsanwaltschaft anschließend.
Überregionale Medien, auf die Spur gesetzt von der Familie und vom Anwalt des Toten, vermuten dagegen einen Polizeiskandal. Nachdem bereits die Frankfurter Rundschau von "Zweifeln" an der Darstellung der Staatsanwaltschaft geschrieben hatte, titelte gestern die Süddeutsche Zeitung (SZ): "Die rätselhafte Todesnacht von Hagen". Das Blatt zitiert aus dem gerichtsärztlichen Untersuchungsbefund. Demnach seien die Hämatome im Gesicht des Opfers "Ausdruck einer stumpfen Gewalteinwirkung von außen". Dies lasse sich "mit einem Sturz- oder Anschlaggeschehen in Einklang bringen, stattgehabte Schläge als Ursache nicht ausgeschlossen". Laut SZ vermuten die Anwälte der Familie des Opfers, die Fixierung in Bauchlage habe zum Ersticken des mit Kokain vollgepumpten Mannes geführt.
Offizielle Stellungnahmen zum Sachverhalt gibt das Hagener Polizeipräsidium derzeit nicht ab und verweist auf das schwebende Verfahren. Auch einen Fragenkatalog der WP beantwortete die Behörde nicht. Unter anderem wollte unsere Zeitung wissen:
1. Können Sie ausschließen, dass die Beamten bei der Ruhigstellung des 26-Jährigen übermäßige Gewalt angewendet haben?
2. Der 26-Jährige stand unter dem Einfluss von Drogen. Auf der Hagener Wache hat er offenbar einem Polizisten die Fingersehne gerissen. Rechtfertigt das aus Ihrer Sicht ein hartes Eingreifen der Beamten?
3. Der vorläufige Obduktionsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Kampffolgen nicht ursächlich für den Tod des 26-Jährigen waren. Ist das Grund genug für Sie, sich vorbehaltlos hinter Ihre Beamten zu stellen?
"Uns sind die Hände gebunden", sagte Thomas Busch, stellvertretender Leiter des Polizeipräsidiums. Seine Stellungnahme: "Die Fragen würde ich Ihnen auch im Interesse der Kollegen gerne beantworten. Da sie noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen sind, zu denen wir keine Auskünfte geben dürfen, ist eine Beantwortung leider nicht möglich. Die Pressehoheit hat die Staatsanwaltschaft. Meine bisherigen Erkenntnisse zum Sachverhalt lassen mich zur Überzeugung gelangen, dass die betroffene Dienstgruppe rechtmäßig gehandelt hat. Im Interesse der Familie des Verstorbenen, aber auch der Öffentlichkeit und unserer Polizeibeamtinnen und Beamten hoffe ich, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zügig zum Abschluss kommen und damit noch alle offenen Fragen geklärt werden."
Hagens Polizeipräsidentin Ursula Steinhauer verfolgte den Fall aus der Distanz. Sie kehrte erst gestern Abend aus ihrem Urlaub von den Kanarischen Inseln zurück.
Am 10. April wird sich auf Antrag der Grünen der Innenausschuss im Landtag mit dem Fall beschäftigen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte auch der Abschlussbericht der Staatsanwaltschaft Dortmund vorliegen. Nicht nur die Polizei hofft, dass die "Todesnacht von Hagen" dann keine Rätsel mehr aufgibt.
__________________ gözlerin dalmasin uzaklara - umutlarin hep yüreginde olsun.... |