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Alt 19.05.2008, 00:39

 
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EHRENMORDE IN SPANIEN - "Deine Frau ist nicht dein Eigentum"

Spanien: Kein Ende der Macho-Gewalt
"Deine Frau ist nicht dein Eigentum" - Ein Lernprozess für spanische Männer, der jedes Jahr Dutzende Tote fordert - Geschlechtergewalt eines der dringlichsten Probleme in Spanien

In Spanien musste seit 1. Jänner 2008 durchschnittlich jeden dritten Tag eine Frau sterben. Maria de los Angeles, 28, wird in Murcia von ihrem Exfreund umgebracht und verbrannt. Laura M., 22 Jahre, wird in Madrid von ihrem Freund erstochen. Maria M., 44, wird in Valladollid auf der Terrasse eines Cafés von ihrem Ex-Mann erschossen. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
Seit 1999 ist die Zahl der so genannten "Femizide" in Spanien ständig gestiegen. 2004 erreichte sie mit 72 Todesopfern einen Höchststand, vergangenes Jahr wurden nach offiziellen Angaben 71 Frauen ermordet. Die Täter: Ehemänner, Lebenspartner, Exfreunde.
In den 15 alten EU-Mitgliedstaaten starben jährlich zwischen 700 und 900 Frauen durch die Hand ihrer Partner oder Ex-Partner. Diese Zahlen veröffentlichte die EU-Kommission 2005.
Zwar liegen bis dato keine aussagekräftigen Vergleichszahlen vor, Spanien dürfte mit seiner Opferbilanz allerdings im europäischen Spitzenfeld liegen - wie Frankreich, wo alle vier Tage eine Frau umgebracht wird.

Gesetz gegen Geschlechtergewalt
Im Juni 2004 ist unter der sozialdemokratischen Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Zapatero ein Gesetz gegen Geschlechtergewalt in Kraft getreten. Auch ein Wegweisrecht soll Frauen helfen, sich vor ihren Peinigern zu schützen - die Zahl der Frauenmorde bleib seither trotzdem konstant hoch.
"Das Gesetz braucht Zeit", sind sich viele Frauenorganisationen einig. "Es kann Frauen nicht davor schützen, umgebracht zu werden, weil sie ja deshalb zu Opfern werden", schreibt etwa Montserrat Boix, Koordinatorin der feministischen Internetplattform "Frauen im Netz". Ein weiteres Problem: "Frauen als Opfer des Macho-Terrorismus hatten in unserer Gesellschaft nie den gleichen Stellenwert wie die Opfer des ETA-Terrors."
Kein Generationenproblem
Vor einem Monat wurden in Spanien innerhalb von 24 Stunden vier Frauen umgebracht. Soledad Gallego Dias, Gründerin des Ressorts „Frauen", das jeden Sonntag in der spanischen Tageszeitung El País erscheint, schreibt anlässlich der Februar-Morde: "Das erschreckende an der ausufernden Gewalt ist, dass sie sich nicht auf eine bestimmte Altersklasse beschränkt: Von den vier ermordeten Frauen waren drei jünger als 50 Jahre - wie ihre Angreifer. Es liegt also nicht daran, dass eine Männergeneration um die 60 oft nach wie vor glaubt, Frauen als ihr Eigentum betrachten und ungestraft die Hand gegen sie erheben zu können."
Die Ergebnisse einer Studie des Spanischen Instituts für die Frau - einer Regierungsorganisation - unterstreichen Gallego Dias Vermutung: Danach müssen 8,9 Prozent der spanischen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren als misshandelt eingestuft werden. 3,6 Prozent in derselben Altersgruppe bezeichnen sich selbst als misshandelt.
Laut der NGO "Observatorium für Gewalt" liegt die Ursache für die steigenden Zahlen der Frauenmorde daran, dass die Opfer immer weniger dazu bereit sind, ihre Peiniger zu ertragen und ihnen entkommen wollen.
"Der Aggressor würde die Frau lieber ihr Leben lang tyrannisieren - zum Mord kommt es, wenn die Frau versucht, vom Aggressor los zukommen", unterstreicht Andrés Montero Gomez, Direktor der Spanischen Gesellschaft für die Psychologie der Gewalt in Valencia diese These. In einem Beitrag in der Tageszeitung El Correo versucht er darzulegen, warum Männer Frauen töten: "Mit Gewalt versucht der Aggressor, die Persönlichkeit der Frau auszulöschen, aus ihr ein neues Wesen mit einer neuen Identität zu machen, das seinen Wünschen entspricht und ihm gehorcht. Ein Mord passiert dann, wenn der Mann versagt, sich die Frau unterzuordnen."
Bei Trennung Mord
Mehr als 80 Prozent der Morde passieren in der Folge von Trennungen oder Scheidungen. Dabei wird selten im Affekt gehandelt: "Was der Peiniger sucht, ist eine Sklavin. Niemand ist so dumm, seine Sklaven zu töten. Einen Sklaven bringt man nur dann um, wenn er zu entkommen versucht", schreibt auch José Ignacio Paz Ruiz, Psychologe des Instituts für Frauen in Andalusien, in der Tageszeitung El País.
Derzeit werden etwa 84.000 Frauen in Spanien vom Staat vor der Gewalt ihrer Partner geschützt. Hinter dieser Zahl stehen aber auch zehntausende Frauen, die der gleichen Gefahr ausgesetzt sind, sie aber nicht zur Anzeige gebracht haben.

(Nicole Bojar, dieStandard.at, 30.3.2008)


dieStandard.at




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